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Von: Theresa von Bischopink
08.04.2016

BDKJ mit gemischtem Fazit zum päpstlichen Schreiben „Die Freude der Liebe“

Von der Freiheit Gebrauch machen

 

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) zieht ein gemischtes Fazit aus dem nachsynodalen Schreiben „Amoris Laetitia“ („Die Freude der Liebe“), das heute veröffentlicht wurde. „Wir freuen uns darüber, dass Papst Franziskus Diskussionen nicht für beendet erklärt, sondern die Ortskirchen auffordert, jeweils eigene, passende Lösungen zu finden“, bilanziert der BDKJ-Bundesvorsitzende Wolfgang Ehrenlechner.

„Die umfassende Darstellung der Familienpastoral enthält ermutigende Ausführungen über Liebe, Ehe und Familie“, würdigt Ehrenlechner das nachsynodale Schreiben weiter. Allerdings gebe es angesichts des zweijährigen Prozesses eine gewisse Enttäuschung, sowohl über die Aussagen zu strittigen Punkten der kirchlichen Ehelehre als auch zum Prozess an sich. „Papst Franziskus hat alle Gläubigen eingeladen, sich an der Vorbereitung der Synoden zu beteiligen. Die Kritik aus vielen Teilen der Weltkirche an Aspekten der kirchlichen Ehelehre kommt im Schreiben aber nicht mehr vor.“ Ehrenlechner bedauert insbesondere die deutliche Absage an eine neue Bewertung homosexueller Partnerschaften: „Es ist ein Widerspruch, wenn man von Wertschätzung und Nichtdiskriminierung spricht und gleichzeitig homosexuelle Partnerschaften nur als Problem und gleichgeschlechtliche Liebe als nicht gottgewollt ansieht.“

Ehrenlechner freut sich, dass sich der Papst um einen realistischen Blick auf die Lebenswirklichkeit bemüht. Die zwar einladend formulierte Aufforderung zu früher Eheschließung und Enthaltsamkeit vor der Ehe gehe aber an der Lebenswirklichkeit vieler junger Katholikinnen und Katholiken weit vorbei. Auch die Aussage des Papstes, dass es unverantwortlich sei, junge Menschen zur Verwendung von Verhütungsmitteln anzuhalten, widerspreche der Bewertung der großen Mehrheit von Katholikinnen und Katholiken in Deutschland deutlich.

Vor diesem Hintergrund begrüßt Ehrenlechner, dass der Papst ausdrücklich auf die Begrenztheit zentraler Anweisungen hingewiesen und dazu ermutigt habe, sich in jedem Land um passende Umsetzungen der christlichen Botschaft zu bemühen. „Wir wünschen uns, dass unsere Bischöfe von dieser Freiheit Gebrauch machen und im weiteren Dialog mit Katholikinnen und Katholiken in Deutschland zu Haltungen und Aussagen kommen, die mehr von der breiten Kritik aufnehmen, die im Zuge der Umfrage vor der Außerordentlichen Synode 2013 geäußert wurde.“

Im Vorfeld der Außerordentlichen Synode 2013 hatte der BDKJ aus der vom Vatikan gestarteten Umfrage zu Ehe, Familie und Partnerschaft eine Online-Umfrage entwickelt, an der fast 10.000 junge Menschen teilgenommen hatten. Die Ergebnisse sind hier abrufbar: www.bdkj.de/bdkjde/themen/vatikan-umfrage.html.

Das komplette nachsynodale Schreiben kann hier gelesen werden.